A k t u e l l
 

Bundesehrenvorsitzender des Seniorenverbandes BRH

Gerhard Schröder   am 9. März 2010 verstorben

„Eine ganz große Persönlichkeit des BRH hat uns für immer verlassen. Sein Wirken hat jedoch Bestand.“

 

Am Dienstag, den 9. März 2010, und damit zwei Tage nach seinem 96. Geburtstag, ist der Bundesehrenvorsitzende des Seniorenverbandes BRH, Gerhard Schröder, verstorben. Noch am Montag übermittelte in einem Telefonat die Bundesgeschäftsführerin und Justitiarin Nicole Banten im Auftrag des Bundesvorsitzenden Dieter Berberich die Geburtstagsglückwünsche des gesamten Verbandes.

Im August 2009 besuchten Dieter Berberich, Werner Hagedorn und Nicole Banten letztmals den Bundesehrenvorsitzenden an seinem Altersitz im Taunus und berichteten ausführlich und umfassend über den Verlauf des Bundesvertretertages im Juni in Berlin und über den Ausgang der Vorstandswahlen. Hoch konzentriert und selbst an Details interessiert, ständig nachfragend und mit Hinweisen auf Vergangenes verfolgte er die Berichte und unterbracht diese mit ernsten wie netten Anekdoten. Alle Beteiligte waren erstaunt über die geistige Vitalität von Gerhard Schröder und über sein Erinnerungsvermögen zu Verbandsvorgängen bis hin zu den Anfängen des Deutschen Beamtenbundes und „seines“ BRH in den 50ger und 60ger Jahren.

Stolz verwies Gerhard Schröder darauf, dass es ihm gelungen war, die wirkungs-gleiche Übertragung der Besoldungsanpassungen auf die Versorgung durchzusetzen.

Anlässlich seines 80. Geburtstages 1994 würdigte der BRH die Lebensleistung von Gerhard Schröder mit folgendem Beitrag in der Mitgliederzeitschrift:

„Ein deutsches Schicksal, typisch für seine Generation, hat Gerhard Schröder, der langjährige BRH-Bundesvorsitzende, durchlebt. Auch in schwierigen Zeiten hat er seinen Optimismus, seinen Glauben an die Kraft des besseren Arguments nie verloren. Noch immer arbeitet er täglich ungezählte Stunden für den BRH; ohne seine Beiträge („gs“) ist diese Zeitschrift, die er gegründet hat und zu einer Auflage von rund 100.000 Exemplaren führte, kaum denkbar.

Geboren wurde Gerhard Schröder am 7. März 1914, der Erste Weltkrieg stand vor der Tür, in Braunsberg in Ostpreußen; aufgewachsen ist er in Elbing, der Vater war Kassenbeamter, der am Abend Zahlenkolonnen addierte. Der Sohn sollte es besser haben, er machte Abitur und wurde Offiziersanwärter bei der Wehrmacht. Kriegsschule, Flak-Offizier, im Zweiten Weltkrieg Batteriechef, Abteilungskommandeur, Qualifikation zum Generalstabsoffizier, dann Kriegsgefangenschaft und Stunde Null. Ex-Offiziere waren Ausgestoßene, Deutschland war zerstört, die Heimat war polnisch.

Wohin? Seine Frau stammte vom Rhein, und deshalb fand er sich im idyllischen Boppard wieder. So zufällig konnten Nachkriegs-Schicksale verlaufen. Gerhard Schröder begann als landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter, wurde Rechtspfleger und stieg im rheinland-pfälzischen Justizministerium bis zum Amtsrat auf. Daneben engagierte er sich seit 1952 für den Beamtenbund und entdeckte seine Gabe, auch komplizierte Zusammenhänge halbwegs verständlich zu Papier zu bringen. 1961 schied er aus den Diensten des Landes Rheinland-Pfalz aus und wurde Geschäftsführer des DBB-Landesbundes.

Im April 1968 wählten ihn die Delegierten des BRH-Bundesvertretertages zum Bundesvorsitzenden. Bis Mai 1981 ist er BRH-Bundesvorsitzender und – in Personalunion – Schriftleiter der Zeitschrift geblieben, beides überaus erfolgreich. Durch den Stellenplan-Anpassungszuschlag nahmen auch die Versorgungsempfänger an den Verbesserungen der Stellenkegel teil. Als Ausgleich für das den aktiven Beamten gewährte Urlaubsgeld erhielten die meisten Versorgungsempfänger den „Pensionszuschlag". Verbesserungen bei den Mindestversorgungsbezügen und im Beihilferecht und nicht zuletzt die steuerliche Entlastung der beamtenrechtlichen Versorgungsbezüge fallen in diesen Zeitraum.

1981 gab Gerhard Schröder Vorsitz und Schriftleitung aus freien Stücken ab, blieb aber dem BRH und seiner Zeitschrift gleichwohl eng verbunden. Der BRH-Bundes-vertretertag wählte ihn einstimmig zum Ehrenvorsitzenden.

Der BRH hat seine Erfolge auch in jenen Jahren mühsam erkämpfen müssen. Die Tendenz, die Ruheständler schnell zu vergessen, war damals ganz sicher nicht weniger stark als heute, und mancher Amtsinhaber aus dem Beamtenbund wird sich gewundert haben, daß da plötzlich einer aufstand und die Rechte der früheren Kollegen geltend machte.

Heute (1994) engagiert sich Gerhard Schröder auch für die ältere Generation insgesamt. Er vertritt der BRH in verschiedenen Alten-Organisationen und hat gerade ein erfolgreiches Buch: „Alte, wehrt Euch!" geschrieben. Seine „I2 Gebote zur Selbstbehauptung alter Menschen", die er in dieser Zeitschrift veröffentlicht hat, haben bei den Lesern ein ungewöhnliches Echo gefunden und sind kontrovers diskutiert, aber ganz überwiegend positiv bewertet worden. Besseres kann einem engagierten Schreiber nicht passieren.

Wer unerschrocken für eine gerechte Sache ficht, macht sich nicht nur Freunde. Er muss bereit sein, Verzicht zu üben, einzustecken, das Temperament zu zügeln. Wer Gerhard Schröder persönlich kennengelernt hat, vital und kampfeslustig bis heute, der ist überzeugt, daß ihm da vieles nicht leichtgefallen sein kann.

Der BRH und diese Zeitschrift verdanken ihm viel. Sie hoffen darauf, daß er ihnen noch viele Jahre als Mitstreiter zur Seite stehen möge.“

Gerhard Schröder wird am Montag, den 15. März 2010, um 13:30 Uhr, auf dem Waldfriedhof in Mainz-Gonsenheim nach einer Trauerfeier zu seiner letzten Ruhestätte geleitet. Der Seniorenverband BRH wird seinen Ehrenvorsitzenden ein ehrendes Gedenken bewahren.

 

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